I’m Telling You Now
Eine Warnung vorweg: Im folgenden werden Videos verlinkt die durchaus zu bösen Ohrwürmern führen können. Wer also Probleme damit hat längere Zeit komische Musik im Kopf zu haben sollte sich die Videos nicht anschauen.
Heute bin ich dank meiner Lieblings Comic Zeichnerin auf etwas aufmerksam geworden, was mir meine Eltern immer verschwiegen haben. Und zwar auf “Freddie & the Dreamers”. Zunächst zwei Videos um zu zeigen wovon ich hier schreibe:
Eine kurze Wikipedia Recherche hat ergeben, dass es sich dabei nicht um einen Scherz sondern um eine ernst gemeinte Beat-Band (heute würde man sie vermutlich auch als Boygroup bezeichnen) aus 1960ern handelt. Das Gekreische der Fans, dass man in den Videos hört ist echt das waren Mädchenschwärme. In den USA sollen die Popularität von “Freddie & the Dreamers” fast so groß gewesen sein, wie die der Beatles. Mir persönlich war die Band bis heute völlig unbekannt und ich kann mich auch nicht erinnern das meine Eltern, in deren Generation die Band fällt mal etwas davon erzählt hätten.
Das wirft natürlich einige Fragen auf.
- Klar Geschmäcker sind verschieden und ich finde die Band eigentlich auch ganz lustig… naja stumpf und stumpf ist trumpf. Aber wie sind die zu Mädchenschwärmen geworden?
- Warum habe ich bisher nie etwas von denen gehört? Werden die bewusst von ihren damaligen Fans verschwiegen weil sie ihnen peinlich sind? Oder sind sie wirklich derartig in Vergessenheit geraten?
- Hat man sich damals schon Gedanken um sowas wie eine Choreografie gemacht?”
- Wie zum Teufel kann man so lachen wie der Sänger?
Vielleicht wisst ihr ja antworten, wenn schreibt sie bitte in die Kommentare. Mir gibt diese Band zumindest Rätsel auf und ich werde sie wohl so schnell nicht mehr vergessen.
PS: 30 Minuten Autofahrt mit den Böhsen Onkelz im Autoradio bekämpft den Ohrwurm wirksam.

























Tagami sagt
am 23. April 2007 @ 15:19
Also ich hab bis jetzt auch noch nichts von der Band gehört. Aber die sind ja eigentlich ganz lustig.
Zum Glück habe ich bis jetzt noch kein Ohrwurm und ich denke mal das der jetzt auch nicht mehr kommen wird.
Und im Grunde sind die ja auch ganz typisch für ihre Zeit, sogar die Länge der Lieder.
Nur ein bischen schade das die in beiden Liedern die gleiche “Choreographie” haben.
Und die Lache geht ja nur garnicht.
Taga
Hans Roegner sagt
am 9. März 2008 @ 00:21
Hallo Tagami,
Musik-Geschmäcker sind soo verschieden, entweder man mag etwas oder mag es nicht. Als ich die Gruppe 1965 für mich entdeckte, war ich 17, gerade in der Lehre, und hörte Freddie & the Dreamers auf Radio Luxemburg und auf Piratensendern.
Die waren in England tatsächlich wie eine Boygroup, hatten auch ihre Probleme mit den Producern, aber einen sehr umtriebigen Bandleader: Freddie Garrity. Sie machten kurze eingängige Songs und vor allem nachsingbare Musik, sangen über alles Mögliche, und über dessen Inhalte man Dinge wie Ungewissheit in Liebesbeziehungen u.ä. irgendwie selbst nachvollziehen konnte. Selbst Fensterputzer (”Viper”) wurden besungen, aber als Anspielung auf Vorgänge in der Gesellschaft, die die Leute beschäftigten (Gossip). Man musste also schon gut Englisch verstehen. Kurz: sie wurden Publikumslieblinge, weil sie die Skurrilität ihrer Landsleute auch etwas auf die Schippe nahmen, wurden im englisch-amerikanischen Sprachraum sehr bekannt und verdienten auch gut bei weltweiten Auftritten - und waren nicht abgehoben.
Aber ich denke, sie halfen vielen jungen Leuten bei der Alltagsbewältigung mit ihren für die damalige Zeit eingängigen Melodien. Und faszinierend dabei: Freddie und Band zeigten viel Fantasie beim Komponieren und trafen den damaligen Zeitgeist für einige Jahre. Und: Freddie war natürlich ein lebenslustiger Mensch, ein Clown, der auch um die traurigen Dinge genau Bescheid und es musikalisch darzustellen wusste. Wer natürlich von heutiger Musik zu stark vereinnahmt wird, findet den Zugang zu dieser Musik aus der Beat-Group-Ära kaum. Aber so wird man über heutige Musik in 40 Jahren wohl auch urteilen.
Übrigens kam ich nach langer Zeit beim Rumstöbern im Netz auf Deinen Blog, weil ich einem jungen Kollegen ein paar Lieder aus den sechziger Jahren aufnehmen will, und da waren sie auch, Lieder wie “Send a Letter to me”, “You were made for me” oder vergleichbar mit dem “Beatvertretern vom Mersey” das schlichte, doch aufmunternde “If you’ve got a minute, Baby” (komponiert in 10 Min. in einem Hotelzimmer auf Tour in Singapur!). Oder hör Dir mal die Ballade “Turn Around” an, da denkt man an sich, ans Leben. Oder die Ironie in “Gabardine Mac”, schon fast Elvis-like, dann komplett verrückt. Das war schon gekonnt. Oder, natürlich immer in der damaligen Zeit betrachtet, das unvergleichliche “Things I’d like to say”
Also - anhören (Best of..), wenn man’s will.
Freddie & the Dreamers waren Leute,die Spaß am Musizieren und an ihrem Dasein hatten und aus ihrer Zeit Positives hervorhoben und Trauriges nicht außer acht ließen. Gute Bands aus jener Beat-Zeit, die auch damals einen “Kick” vermitteln konnten: The Applejacks, Peter & Gordon, Gary & the Pacemakers, Brian Poole, Billy J. Kramer, Frank Ifield, später Pickettywith, Brotherhood of Man u.a.
Viel Spaß beim Stöbern beim Trip in die musikalische Vergangenheit - und zieht ruhig Vergleiche mit heute.
HaRoe